Bussi vom Biber

Eine besondere Begegnung mit einem Biber (und ein paar anderen mehr) in “hradec kralove” – Königgrätz in Nord-Ost-Böhmen, Tschechien. Dachte nie, dass ich mal von einem Biber ein Bussi bekomnen würde 😉

Highlights: Jirasek Park, Zusammenfluss von Adler (Orlice) und Elbe (Labe), St. Nikolaus – Kirche, wild lebende Biber und das Wasserkraftwerk Hucak im Sezessionsstil…

Allein der Weg ist ein Traum… Ich spaziere durch hradec kralove, auf Deutsch Königgrätz, in Nord-Ost-Böhmen. Es ist Herbst – richtiger Herbst – , gemalt in Farben und Laub, wie in längst vergangenen Zeiten. Keine Kehrmaschine, keine Besen und Strassenfeger, keine Laubrechen und erst recht keine Laubgebläse. Der Herbst strahlt in seinen schönsten Farben, ob vom Himmel, dem Wasser oder den Bäumen rundherum. Dort wo…….

Auf zur “Reise im Kopf” zu den Bibern von Königgrätz als Audiodatei (am besten mit Kopfhörern). Die Geschichte zum mitlesen und die Fotos findest du darunter ⇓

Mit freundlicher Genehmigung der folgenden Musik- und Soundproduzenten: – DANKE!


 

Der Herbst strahlt
Der Herbst strahlt

Allein der Weg ist ein Traum. Ich spaziere durch Hradec Kralove, auf Deutsch Königgrätz, in Nord-Ost-Böhmen. Es ist Herbst, richtiger Herbst, gemalt in Farben und Laub, wie in längst vergangenen Zeiten. Keine Kehrmaschinen, keine Besen und Strassenfeger, keine Laubrechen und erst recht keine Laubgebläse. Der Herbst strahlt in seinen schönsten Farben, ob vom Himmel, dem Wasser oder den Bäumen rundherum. Dort wo die „Labe“ also die Elbe und die „Orlice“, die Adler, sind vereinigen und eine etwas größer gewordene Elbe schließlich von hier noch gemächlich weiterfließt, entstand auf dem Landspitz, der ins Wasser ragt und von den beiden Flüssen ringsum umspült wird, ein hübscher, kleiner Park, der Jirasek Park. Benannt nach dem tschechischen Schriftsteller und Historiker Alois Jirasek, der in Königsgrätz das Gymnasium besuchte, ist er gerade so gepflegt, dass er nicht vollends verwildert, aber so naturbelassen, dass der Herbst sich von seiner schönsten Seite zeigen darf. Der Himmel strahlt in tiefem blau, keine Wolke trübt das weiche, schmeichelnde Licht der Sonne.

entlang der Adler liegt viel Laub
entlang der Adler liegt viel Laub

Entlang der Orlice schlurfe ich durch fast kniehohes Laub, das den gesamten Boden bedeckt, meine Schritte federt und so herrlich raschelt, dass ich große Lust verspüre, mich wie ein Kind darin zu wälzen. Natürlich beherrsche ich mich, habe aber trotzdem grosse Freude daran, endlich wieder mal durch tiefes Laub zu laufen, bei uns finde ich solche Wege immer seltener. Die Farben sind überwältigend, das Laub auf den Bäumen und am Boden leuchtet in allen Schattierungen, die ein gemischter Laubwald nur aufbieten kann, von hellem gelb, über knalliges Orange und sattem Rot bis zu gedämpftem Weinrot und erdigem Braun, schier eine Explosion an Farbpracht. Die Orlice neben mir gluckert friedlich und gemütlich dahin und fließt etwas breiter als ein Bächlein ihrer Bestimmung entgegen.

St. Nikolai Kirche
St. Nikolai Kirche

Der Weg führt vorbei an der Nikolaikirche, einer originalen Holzkirche aus dem 16. Jahrhundert, die ursprünglich aus der Slowakei stammt und im Jahre 1935 im Jirasek Park aufgestellt wurde. Sie ist ein Kulturdenkmal und wird von der orthodoxen Kirche für Gottesdienste genutzt. Sie steht idyllisch und ruhig zwischen den Laubbäumen, das Holz wurde durch die Verwitterung fast schwarz gefärbt und der umlaufende Holzzaun gleicht eher einer schmückenden Umrahmung als einer Abgrenzung. Ich bin fasziniert von der Holzbaukunst, den feinen Drechselarbeiten, den drei hübschen und zierlichen Zwiebeltürmen und dem einladenden und aufwändig gestalteten Eingangsportal. Leider ist die Kirche abgeschlossen, aber das tut der Wirkung und Ausstrahlung dieses Holzwunderwerks keinen Abbruch.

Die Originale Holzkirche
Die Originale Holzkirche

Nur schwer kann ich mich von diesem fast magischen Ort und dem Bann des Augenblicks loslösen, aber das Wasser der Orlice fliesst beständig weiter und so folge auch ich weiter ihrem Lauf. Am Wegrand laden Heimelige Holzbänke zum Verweilen und geniessen der Landschaft ein. Die Bäume lichten sich und geben den Blick auf die andere Seite des Parks, hin zur Labe frei. Die Elbe ist schon etwas breiter und fliesst auch ein bisschen schneller, ist aber an dieser Stelle sonst kaum von ihrer kleinen Schwester zu unterscheiden. Ich stehe am Rand der Elbe, genieße die Sonnenstrahlen im Gesicht und schaue ihrem Lauf nach. Kaum vorstellbar… Dieses kleine, beschauliche Flüsschen, unweit von hier im böhmischen Riesengebirge in fast 1400 Metern Höhe entsprungen, Schwillt in ihrem weiteren Verlauf zu einem mächtigen Strom heran und legt mehr als tausend Kilometer bis an die deutsche Nordseeküste zurück.

Die Elbe fließt gemütlich
Die Elbe fließt gemütlich
Was ist denn das?
Was ist denn das?

Während ich da so gedankenverloren stehe, ins Wasser blicke und über den weiteren Verlauf der Elbe sinniere, höre ich neben mir plötzliches Rascheln. Ich schaue zu meinen Füssen hinunter und ungläubig denke ich zuerst, dass sich da eine Ratte an meinem Plastiksackerl zu schaffen macht. Nach genauerem Hinsehen und dem Bemühen, verschiedene Tierarten und deren Aussehen in meinem Kopf in stimmigen Einklang zu bringen, bin ich noch überraschter und so voll unerwarteter Freude, denn ich glaube meinen Augen kaum. Ein Biber sitzt zu meinen Füssen und versucht in mein Plastiksackerl zu schauen, ob er da nicht was Gutes entdecken könnte! Weil er bei mir nichts findet, läuft er weiter auf andere Menschen zu, und als ich ihm nachsehe bemerke ich: da gibt es noch viel mehr Biber! Ich kann es nicht fassen: freilebende, wilde Biber wuseln zwischen den Laubhaufen herum, suchen einträchtig mit schnatternden Enten nach Futter und sind scheinbar derart an Menschen als Futterspender gewöhnt, dass sie jegliche Scheu verloren haben.

Es wuselt zwischen den Menschen...
Es wuselt zwischen den Menschen…
... und zwischen den Enten
… und zwischen den Enten

Einer aus der lustigen Truppe ist besonders mutig, setzt sich direkt zu meinen Füssen und beschnuppert meine Hand. Irgendwie scheine ich ihm sympathisch zu sein… Ich habe übrigens auch eine magische Anziehungskraft auf Hunde und Katzen, aber dass diese auch bei Bibern funktioniert, davon wusste ich bisher nichts.

handzahm
handzahm

Ja, ich weiss, das sollte man nicht tun, und ja ich weiss, dass Biber sehr kräftige Zähne haben, schließlich schleppen sie mit ihren Beisserchen ganze Baumstämme zu ihren Biberdämmen. Aber als der kleine Kerl sich auch noch auf seinen Hinterbeinen aufrichtet und sich mit seinen Vorderpfoten an mir anhält und zu mir aufschaut, kann ich nicht mehr widerstehen… Ich gehe in die Hocke – und muss ihn einfach anfassen…

und verteilen Bussis :o)
und verteilen Bussis :o)

Vorsichtig streichle ich meinen neuen Biber Freund am Rücken. Sein Fell ist unglaublich weich und samtig, fast wie das einer Angora Katze, überhaupt nicht feucht, obwohl es glänzt als wäre er gerade erst aus dem Wasser gekommen. Mein neuer Kumpel ist der grösste der Biberfamilie, deshalb wohl auch der Mutigste und Neugierigste. Er hat die Grösse eines kleineren Hundes (nein, kein Chihuahua!) und verhältnismäßig große Krallen. Plötzlich stützt er sich mit eben diesen auf meinen Knien auf, fast als wolle er auf meinen Schoß hüpfen. Nach der ersten Schrecksekunde mustere ich das putzige Gesichtchen, das mich da mit seinen langen weissen Barthaaren-und der großen Nase beschnuppert. Die kleinen schwarzen Knopfaugen wirken freundlich, die ebenso kleinen runden Ohren (fast wie die einer Maus) wackeln hin und her und aus dem rosa Mäulchen kommen drollige Grunzlaute. Nur die berühmten Holzfällerwerkzeuge bekomme ich nicht zu sehen…

Bibers Schwimmkünste
Bibers Schwimmkünste

Wie als Dank für die kuschelige Zuwendung bekomme ich statt dessen eine Demonstration biberischer Schwimm- und Holzbaukunst vorgeführt. Mit einem gekonnten Sprung landet mein „Bussi Biber“ im Wasser, sein langer, vorher noch dünner Schwanz wird zum breiten Paddel und mit seinen jetzt in Aktion tretenden Zähnen zieht er einen grossen Ast mit sich. Der Biber gleitet zielstrebig und geschmeidig durchs Wasser und bringt sein Baumaterial in eine kleine Höhle am Rande der Elbe. Von dort schwimmt er noch einige Male an mir vorbei, tollt mit seinen Artgenossen im Wasser herum, holt weitere Äste und verschwindet schließlich endgültig in seiner Höhle.

im Wasser tollende Biber
im Wasser tollende Biber

Habe ich schon erwähnt, dass ich Biber liebe??? Dementsprechend glückselig über dieses unverhoffte Erlebnis, speichere ich meine Begegnung mit dem Biber fest in meinem Kopf ab und folge gemütlich schlendernd dem Lauf der Elbe zurück Richtung Stadtzentrum.

Die Brücke von "Hucak"
Die Brücke von “Hucak”

Am Ende des Jirasek Parks entdecke ich ein weiteres architektonisches Kleinod Königgrätz`s, das Hucak Dampf- / Wasserkraftwerk. Es wurde 1909 im Sezessionsstil, der österreichischen Form des Jugendstils, erbaut und ist dementsprechend elegant, farbenprächtig und aufwändig gestaltet. Es ist daher nicht nur technisch sondern auch künstlerisch interessant. Über die Elbe und ihre Stauwehr führt eine Brücke, die ebenfalls wie das Kraftwerk gestaltet wurde. Die Grundfarbe des Gebäudes selbst ist ein helles Gelb, umrahmt von Ockerfarbenen Absetzungen und Mustern, weissen Säulen und grauen Stuckarbeiten, gekrönt von geschwungenen Dachformen und einem Turm mit Uhrwerk. Im Inneren ist im Rahmen einer Führung die originale und bis heute funktionierende Turbinenanlage des Wasserkraftwerks und das Informationszentrum für erneuerbare Ressourcen zu besichtigen. Ich bestaune diesen einzigartigen Komplex jedoch lieber von aussen, lasse das laute Tösen der Strömung und die Spiegelungen der malerischen Herbstszenerie im aufgestauten, ruhigen Wasser und die Eleganz dieses technischen Denkmals auf mich wirken.

Ein letzter Blick zurück, ein entspannter Bummel entlang der Elbe und schon bin ich wieder mitten im Stadtgetümmel von Könggrätz, in dessen historischer Altstadt es noch viele weitere architektonische Schönheiten zu entdecken gibt. Aber wie sagt Michael Ende so schön: „Aber das ist eine andere Geschichte, und soll ein ander Mal erzählt werden…

Spiegelung von Hucak im Wasser
Spiegelung von Hucak im Wasser

Tipps und mehr Informationen für deinen eigenen realen Besuch in Königgrätz habe ich in einem Infoblatt zusammenfasst: Infoblatt Königgrätz Jirasek Park

Schön, dass du da bist! Danke fürs zuhören / lesen! 

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Ich wünsche dir viele schöne Erlebnisse, Bis zur nächsten “Reise im Kopf” von Travel sounds… Folge mir …

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4 Comments Add yours

  1. Paleica says:

    meine güte ist der biber süß ❤ schön, wie du den spaziergang beschreibst, ich habe das gefühl, ich wäre dabei gewesen. und den herbst liebe ich ja sowieso!

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    1. Ja, den Biber musste ich einfach fotografieren, wann jemals sonst bekommt man einen so süßen Kerl so nahe vor die Nase 🙂 Kann es noch immer nicht glauben, dass er fast auf meinem Schoß gesessen ist *grins*
      Danke schön, das ist für mich das schönste Feedback, wenn ich dich auf eine “Reise im Kopf” mitgenommen habe!!! Werde ich wieder versuchen … 🙂

      Liked by 1 person

  2. Stella, ad Astra! says:

    Das sind nette Tiere, richtig süß 🙂

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