“Es ist als würdest du in einem fremden Land leben und die Sprache nicht verstehen”

Nein, das ist kein Zitat einer berühmten Persönlichkeit, sondern das Zitat eines Patienten, der beschreibt, wie es sich für ihn anfühlt als Autist zu leben. Vor zwei Wochen, jeden 2. April im Jahr, war der “World Autism Awareness Day”. Aber warum erzähle ich euch das?

Ich denke, spezielle Jahrestage wie dieser sind wichtig um mehr Aufmerksamkeit auf seltene Erkrankungen zu lenken, um mehr Interesse zu wecken, für  mehr Berichte in den Medien und vielleicht sogar mehr Unterstützung und finanzielle Hilfe für Selbsthilfeorganisationen. Aber das ist nicht genug! Ein einzelner Tag ist ein netter Versuch, aber um Menschen nachhaltig und langfristig zu helfen, ist es notwendig die Wahrnehmung und Beurteilung von Behinderten zu verändern. Und ja, jeder urteilt über andere, ob er will oder nicht … Jeder urteilt über andere Menschen aufgrund deren Verhalten, ihrer Erscheinung und ihres Auftretens, ihrer sozialen Fähigkeiten, vielleicht auch aufgrund von Bildung, Arbeit oder Besitztümern. Unsere Welt ist gemacht für Menschen ohne Behinderungen, jeder sollte wie ein Model aussehen, viel Geld verdienen, versuchen beliebt zu sein oder berühmt zu werden und seine Träume leben.

Oh! Das habe ich vergessen: behinderte Menschen können auch ihre Träume leben! Wenn die Gesellschaft sie lässt … Ich meine, unsere Gesellschaft ist dafür verantwortlich, ob es öffentliche Verkehrsmittel gibt die barrierefrei sind, ob die Gebäude, Geschäfte, Büros und Arbeitsplätze barrierefrei sind, ob die Hotels und Badezimmer barrierefrei sind, ob es Arbeitsangebote und Möglichkeiten zum sozialen Kontakt gibt und besonders: ob die Meinungen und Gedanken der Menschen positiv und freundlich gegenüber Behinderten sind.

Ich denke, dass die meisten Vorurteile deshalb entstehen, weil es vielen schwer fällt, sich Erkrankungen und Behinderungen und die damit verbundenen Probleme vorzustellen, wenn man nicht weiß, was es für die Person, die damit leben muss, bedeutet … Also, lasst uns einen Versuch starten …

Stell dir vor, du betrittst einen Raum, in dem einige Menschen auf dich warten, einige die du kennst, einige die du nicht kennst. Du beginnst dich unwohl zu fühlen, dein Herz beginnt schneller zu schlagen, deine Hände werden schwitzig und in deinem Magen beginnt sich ein Knoten zu formen.

Stell dir vor, du gehst ein paar Schritte in den Raum hinein, doch dann bleibst du wie angewurzelt stehen und kannst nicht mehr weitergehen. Jemand, den du gut kennst, kommt mit meinem Lächeln auf dich zu und versucht, dir in die Augen zu sehen und dein Gesicht zu lesen. Du aber stehst stocksteif da, unfähig dich zu bewegen starrst du auf deine Füße und sagst kein Wort.

Stell dir vor, die andere Person schiebt dich sanft weiter in den Raum hinein, auf die fremden Personen zu. Du sollst sie begrüssen und Panik beginnt sich in dir auszubreiten. Du hasst solche Situationen, generell verursachen alle unbekannten und neuen Dinge massives Unwohlsein. Die Fremden strecken ihre Hände aus, um dich zu begrüßen, aber du ignorierst sie einfach.

Stell dir vor, etwas anderes hat auf einmal deine Aufmerksamkeit gefesselt. Auf der Kommode am Fenster steht die bunte Blumenvase, wie immer. Daneben, links und rechts, steht der goldene Bilderrahmen mit den Familienfotos, wie immer. Aber was ist das??? Vor der Blumenvase steht ein kleines Windlicht mit einer kleinen gelben Kerze …

Stell dir vor, der Knoten in deinem Magen beginnt zu wachsen, er wird größer und größer … Etwas wie Unverständnis, Überraschung und Ärger macht sich in dir breit. “Nein, das ist falsch! Das gehört da nicht hin! Nein! Nein! Nein!” rufst du laut und schrill aus. Du stößt die Fremden beiseite und stürzt auf die Kommode zu …

Nein – ich kann mir nicht vorstellen, was in einem autistischen Menschen genau vorgeht – weil ich kein Autist bin und auch jeder Mensch anders empfindet. Aber ich kann versuchen, es zu verstehen, ich kann versuchen, mich in andere Menschen einzufühlen. Ich kenne die medizinischen Beschreibungen von Autismus wie seltsames Sozialverhalten, Nervosität im Kontakt mit anderen Menschen, Angst vor Veränderungen und so weiter … Mehr über Autismus selbst hat meine Schreib-Freundin Stella, ad Astra! auf Starlit Sky thoughts in ihrem Artikel ” World Autism Awareness Day-2.4” geschrieben. Sie hat mich an diesen Tag erinnert und mir erlaubt, ihren Artikel zu zitieren und ihr Foto zu verwenden, danke dafür Stella!

Ich aber möchte eure Aufmerksamkeit auf andere Aspekte des Versuchs, Behinderungen und Erkrankungen zu verstehen, lenken, denn es gibt immer zwei Seiten – alle Schwierigkeiten haben auch ihr Gutes. Ich weiß, dass es manchmal sehr schwer ist, die guten Seiten an etwas zu erkennen, aber es gibt sie. Ich habe einen Artikel gefunden, in dem beschrieben wird, warum Menschen mit Autismus für den Israelischen Geheimdienst arbeiten. Weil sie spezielle und wertvolle Fähigkeiten besitzen!

Soziale Kontakte sind schwierig für ihn, aber er ist technisch sehr talentiert und kann extrem konzentriert arbeiten. Das was an ihm besonders ist – es ist Schwäche und Stärke zugleich! Und das ist auch wertvoll für den Geheimdienst …

Der israelische Geheimdienst beschäftigt viele Menschen mit Behinderungen und speziellen Talenten aus dem medizinischen Formenkreis des Autismus.

Sie schenken jeder kleinen Veränderung Aufmerksamkeit und sind extrem gründlich. Sie haben keinerlei Probleme mit Routinearbeiten und vielen Wiederholungen in den Arbeitsschritten, es ist eine Sisyphus – Aufgabe, die nicht jeder leisten kann.

Es ist nicht immer einfach, Autisten in die Gruppe zu integrieren, sie brauchen natürlich mehr Unterstützung als andere Soldaten. Aber: sie arbeiten für uns, weil sie für die Armee wichtig sind, nicht aus Mitleid. Es ist eine Win-Win Situation für alle!”

Dieses Projekt nennt sich “Roim Rachok” – “In die Ferne sehen.” Ja, wir alle können in die Ferne sehen, aber es macht einen Unterschied ob wir dort Möglichkeiten, Chancen, freundliche Gesichter und hilfreiche Hände sehen – oder Barrieren, Ausgrenzung, entsetzte Gesichter und Menschen, die sich abwenden …

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