Mio nome: Puccini – Mia cittá: Lucca

Gestatten Sie? Mein Name ist Giacomo Puccini. Meine Heimatstadt: Lucca

Buon giorno signore e signori! Darf ich mich vorstellen? Vielleicht kennen Sie mich vom Namen her. Oder Sie kennen sogar eines meiner Werke? Berühmt wurde ich mit meinen großen Opern – Kompositionen: zuerst mit “La Boheme”, dann folgte “Tosca”. Nachdem ich eines der ersten Unfallopfer des Automobilverkehrs wurde, war ich einige Monate ausser Gefecht gesetzt, aber nach meiner Genesung komponierte ich “Madame Butterfly”. Danach folgten weitere Werke, meine letzte Oper “Turandot” konnte ich leider vor meinem Tode nicht mehr vollenden … Was mich mit meiner Geburtsstadt Lucca verbindet? Tja, das ist so eine eigene Geschichte …

Puccini Posso presentarrmi

Lassen Sie mich kurz beginnen, zu erzählen. Ich erblickte am 22. Dezember 1858 in einem Haus am Corte San Lorenzo in Lucca das Licht der Welt. Meine Familie war sehr musikalisch, bereits mein  Urgroßvater  war Komponist und Organist, mein Großvater komponierte Orchesterwerke und Klavierstücke und mein Vater war nicht nur Leiter der Stadtkapelle von Lucca sondern (noch bedeutender) der Domorgelmeister und schrieb für die Gottesdienste Messen. Wen verwundert es da, dass ich bereits im zarten Alter von 5 Jahren das Klavierspiel erlernte  und mit 18 Jahren mein erstes eigenes symphonisches Präludium komponierte. Unsere lange Familientradition lässt sich im Übrigen auch an meinem Namen erkennen, der vollständig lautet: Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccini. Ich trage alle Namen meiner männlichen Vorfahren bis zurück zum Namen meines werten Urgroßvaters, den Namen Maria hat mein Vater zu meinem Schutz hinzugefügt.

Eigentlich wollte ich gerne in die Fußstapfen meines Vaters treten, ich durfte immer wieder Messen im Dom spielen und wollte meinem Vater als Domorgelmeister nachfolgen.  aber ich hatte, sagen wir es mal so, meine Differenzen mit der ansässigen noblen Gesellschaft. Böse Zungen behaupten gar, ich hätte in meiner Jugendzeit immer wieder Orgelpfeifen aus dem Dom ausgebaut und sie verkauft, um meinen Zigarettenkonsum zu finanzieren. Hmm, also wenn es so gewesen wäre, dann wäre das eigentlich auch ein Qualitätsmerkmal meiner Spielweise gewesen, denn es hat lange Zeit niemand die fehlenden Orgelpfeifen bemerkt, was darauf schließen lässt, dass ich auch mit weniger Pfeifen so hervorragend die Messen gespielt habe, sodass man keinen Unterschied bemerkte. Andere wiederum meinten, ich würde durch meine Spielweise aus dem Dom einen Konzertsaal machen und die moderne Welt in die Kirche bringen, was mit konservativen und elitären Auffassungen von der Gestaltung der Messen nicht vereinbar war. Also wurde ich als Domorgelmeister abgelehnt…

Im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich nicht die schlechteste Entscheidung für meine weitere Entwicklung. Nachdem ich in Pisa zum ersten Mal einer Opernaufführung von Verdis “Aida”  beigewohnt hatte, war ich derart fasziniert und beeindruckt, dass in mir der Wunsch erwachte, selbst solche Werke komponieren zu können. Also packte ich meine Habseligkeiten und kehrte meiner Heimatstadt Lucca den Rücken.

In Mailand erhielt ich am Konservatorium ein Stipendium, aus meiner Prüfungsarbeit verwendete ich später  Teile für den Beginn meiner Oper “La Boheme”.  Danach folgten viele Werke, die sehr unterschiedlich aufgenommen wurden, manche wurden sofort ein Erfolg, andere brauchten einen zweiten Anlauf … Mein schlimmster Misserfolg war die Uraufführung von “Madame Butterfly”, erst nach einer Überarbeitung und der neuerlichen Aufführung drei Monate später wurde sie begeistert aufgenommen.

Meine Heimatstadt Lucca liebte ich Zeit meines Lebens sehr und ich besuchte sie immer wieder, um mich mit alten Freunden auf einen Kaffee zu treffen. Lucca hat meine Zuneigung aber lange Zeit nicht erwidert, die dortige Gesellschaft erkannte und würdigte mein Genie nicht und so zog ich nie wieder nach Lucca zurück.

So also lebte ich in der südlichen Maremma in einem alten Turm am Strand, der im Übrigen nach mir benannt wurde: Torre Puccini. Ein weiteres Haus, eigentlich eine Residenz, besaß ich in Torre del Lago, wohin ich mich drei Jahre vor meinem Tode zurück zog.  Dort verbrachte ich meine letzten Jahre, mein letztes großes Opernwerk, Turandot, konnte ich aber bedauerlicherweise nicht mehr selbst fertigstellen. Innerhalb kürzester Zeit raffte mich der Kehlkopfkrebs dahin, und dass ich in Brüssel in der Klinik sterben würde, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Zum Glück hinterließ ich genaue Instruktionen, wie ich mir den weiteren Verlauf der Handlung von Turandot vorstellte, und so konnte mein gelehriger Schüler Franco Altano mein großes Werk für mich vollenden.

Die Trauerbekundungen nach meinem Tod und die Ehrerbietungen waren sehr rührend, im Mailänder Dom wurde eine Trauerfeier veranstaltet und man stelle sich vor, die Gedenkrede dort hielt Benito Mussolini persönlich! Besonders bewegend war die Uraufführung von “Turandot” in der Mailänder Scala, meine letzte große Oper wurde von Toscanini in der unvollendeten Fassung aufgeführt, er brach die Aufführung ab und erklärte dem Publikum: “An dieser Stelle starb der Maestro!”

Später wurde auch meine Heimatstadt Lucca gewahr, dass ich doch eigentlich ein berühmter und wichtiger Sohn der Stadt war und errichtete auf dem Platz vor meinem Geburtshaus eine Bronzestatue zu meinen Ehren. Aus unserem früheren Familienhaus wurde ein Museum. Ach, welch wunderbare Nostalgie! Sogar mein Flügel, auf dem ich Turandot komponierte, ist dort ausgestellt, dazu zahlreiche Notenblätter von mir, Familienfotos, alte Erinnerungsstücke … Ich selbst war ja nicht mehr dort, mein geliebtes Haus in Torre del Lago wurde mir und meiner Frau die letzte Ruhestätte, ich wollte dort begraben werden, wo ich mich am wohlsten gefühlt habe.

So sitze ich also nun tagaus, tagein als Bronzestatue in Lucca vor meinem früheren Haus, täglich strömen zahllose Touristen auf mich zu, berühren mich, fotografieren, spazieren in meinem Elternhaus herum und halten mich auch auf diese Art weiter lebendig. Aber eigentlich bin ich durch meine Werke unsterblich, meine Kompositionen, meine Melodien haben Millionen von Menschen berührt, bewegt, verzaubert und aufgewühlt. Meine Opern sind unvergänglich, zeitlos, sie waren zu meiner Zeit sozial kritisch und sind es immer noch …

Ich lebe weiter in den Konzertsälen dieser Welt, in den Köpfen der Menschen, in den Opernhäusern, in den Musikgeräten. Wer gerne meine Werke in meiner Heimatstadt erleben möchte, dem sei das Dauerfestival in Lucca “Puccini e la sua Lucca” ans Herz gelegt. Das ganze Jahr über findet täglich um 19 Uhr ein Konzert zu einem anderen Thema in der Chiesa  di San Giovanni statt. Mehr Informationen dazu: Puccini e la sua Lucca Festival

Allen anderen möchte ich gerne einen kleinen Einblick in mein Schaffen geben, vielleicht ist Ihnen  ja die eine oder andere Melodie bekannt und Sie haben Ihre Freude daran:

In diesem Medley, das von “tmmvds” auf You Tube verfügbar ist, sind folgende Konzertausschnitte zu hören:

  • Senza Mamma aus Suor Angelica
  • Che gelida manina aus La Boheme
  • E lucevan le stelle aus Tosca
  • Intermezzo aus Nanon Lescaut
  • O mio babbino caro aus Gianni Schicchi
  • Nessun Dorma aus Turandot

Wenn Sie mehr über meine wunderschöne, zauberhafte Heimatstadt Lucca erfahren möchten, kann ich Ihnen diese Gedankenreise wärmstens empfehlen:

"Das Leben lehrt uns Hürden zu überwinden, Mauern einzustürzen, Löcher zu überbrücken ..." Man kann aber auch -
eine (Stadt) Mauer erklimmen und die Aussicht genießen

In diesem Sinne hoffe ich, ich konnte Ihnen ein wenig mein Verhältnis zu Lucca und mein Wirken und Leben näher bringen und möchte mich von Ihnen mit einem Zitat von mir verabschieden:

Ich empfinde die kleinen Dinge,

und nur sie liebe ich zu behandeln.

(Giacomo Puccini, 1858 – 1924, italienischer Komponist, Hauptvertreter der italienischen Oper nach Verdi)

Grazie e arrivederci! Leben sie wohl!

Who am I? So you listen ...
Wer ich bin? So hören Sie …

 

Ja, auch so kann Reisen klingen: nach Geschichten, nach Musik, nach Festivals … Schön, dass du da bist! Danke fürs Lesen!

Wie ist Deine Meinung zu Puccinis Werken? Kennst Du seine Opern? Wie gefallen sie Dir?

Meine nächste Audio Reise Geschichte ist die Fortsetzung meines Spaziergangs durch Lucca, mit neuen Entdeckungen und wundervollen Ausblicken. Sie ist gerade im Entstehen :o) Ich würde mich sehr freuen, wenn wir auch da wieder voneinander hören / lesen! Also bis bald!

Ich wünsche dir viele schöne Erlebnisse, bis zur nächsten Audio Reise Geschichte von Travel sounds …

7 Comments Add yours

  1. Hallo Lara, wow was fuer ein toller Blogpost! Ich finde die Wahl Deiner Perspektive total spannend – eine Biographie aus Sicht der Statue, und mit vielen kuriosen Informationen aus Pucchinis Leben veranschaulicht. Habe das Lesen wirklich genossen und hoere nun gerade das Medley das Du gepostet hast. Danke dafuer! Gefaellt mir viel besser als die meisten Artikel in den Tageszeitungen:) Alles Liebe!

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    1. Hallo Maria Elena! (Übrigens:finde deinen Namen wundervoll!) Bin wieder zurück von meiner Auszeit und wieder am Audios basteln 😃 Danke, freut mich sehr, dass dir mein “Interview” von Puccini gefallen hat, bin dafür auch sehr lange vor seiner Statue gestanden und hab mit ihr geflüstert 😉 Nein, ich finde, leichte, komische, fröhliche, satirische oder auch anregende Geschichten dürfen nicht untergehen (zwischen den Tageszeitungen) und ich hab selber viel Spass beim Schreiben 😃 was treibst du denn im hohen Norden? Wo ist der in deinem Fall? In Deutschland war mein nördlichstes Reiseziel Kiel und Fehmarn, die Nordsee ist halt sehr anders als das Mittelmeer, aber die Ostsee ist auch sehr schön. Aber trotzdem: Mittelmeer bleibt Mittelmeer, unvergleichlich… 🙂 Alles Liebe dir auch!

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      1. Hallo Lara, vielen Dank fuer Dein Kompliment:) Wie schoen dass Du am Erstellen eines neuen Audio Beitrages bist! Ich bin gerade in Hamburg fuer einige Zeit, hier habe ich Familie und etliche Freunde. Warst Du schonmal in Hamburg? Du bist aus Oesterreich oder? Und wo da? Und ja, Du hast recht: Das Mittelmeer ist unschlagbar:) Freut mich, dass Dir mein neuer Beitrag “Sensuality and Self-Love” https://windimherzen.wordpress.com/2016/06/05/sensuality-and-self-love/ gefallen hat! Freue mich auf Deine naechsten Beitraege! Viele liebe Gruesse!

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      2. Ich wohne in der Nähe der Mozart-Stadt Salzburg im Seengebiet. Ist echt schön hier, aber woanders eben auch 😉 (viele Österreicher glauben nämlich, nur bei uns ist es schön) 😉 Hamburg fand ich ganz toll, war dort letzten Sommer für 2 Wochen, ist eine echt tolle Stadt mit vielen Möglichkeiten (Fluss, Nordsee, nicht weit zur Ostsee, gemütliche Innenstadt, der planten un Blumen Park usw) hast dir einen schönen Flecken ausgesucht! 😃 Freu mich auch auf deine nächsten Beiträge! Viel Spass und Freude noch in Hamburg mit deiner Familie und deinen Freunden! Liebe Grüße, bis bald!

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