Verlier nicht den Mut … Warte … Warte – wenn es sein muss, jahrelang…

“Das Portrait eines Vogels” – Ein Gedicht von Jacques Prévert, ein wunderschönes Gedicht über die Langsamkeit, das Warten, die Geduld und die Hingabe. Es diente einem tschechischen Komponisten als Inspiration für seine melancholisch-mystische Filmmusik zur Untermalung einer Dokumentation über einen sehr besonderen Ort.

Der tschechische Komponist und Dirigent Zdenek Liska vertonte Jacques Prévert’s Gedicht als Jazz – Komposition, passend zu einem Ort, der für manche schaurig oder bedrückend wirkt, gleichzeitig aber schön, Ehrfurcht gebietend und uns an die Vergänglichkeit unseres Seins erinnert. Ein Ort der Ruhe, des Glaubens und der Hoffnung. Die Botschaft, die Veränderung unseres Daseins – wenn man so will – die Veränderung unseres Körpers, unseres Geistes und unserer Seele, das Auflösen irdischer und physischer Grenzen und das Erreichen der seelischen und geistigen Freiheit, dabei aber nicht den Mut oder die Geduld zu verlieren, sondern darauf zu hoffen und daran zu glauben, diese Botschaft beschäftigt uns Menschen immer wieder. Unabhängig von Religion und Glaube ist die Vergänglichkeit in unserem Leben ständig präsent.  Im Text des Gedichts und in der Musik verschmelzen die Vergänglichkeit und die Hoffnung zu einem Gesamtkunstwerk, welches mit der Faszination und spirituellen Bedeutung jenes Ortes eine berührende Symbiose eingeht. Zu diesem Ort erzähle ich beim nächsten Mal mehr, zur Einstimmung und hoffentlich auch Genießen aber zuerst das Gedicht und die Musik …

“Das Portrait eines Vogels” (Gedicht von Jacques Prévert, aus dem Französchen – das Original findest du am Ende der Seite)

Male zuerst einen Käfig
mit einer offenen Tür
dann male
irgend etwas Hübsches
irgend etwas Einfaches
irgend etwas Schönes
irgend etwas Nützliches
was nur den Vogel angeht
Dann lehne die Leinwand an einen Baum
in einem Garten
in einem Wäldchen
verbirg dich hinter dem Baum
ohne zu sprechen
ohne dich zu rühren…

Bisweilen kommt der Vogel bald
aber er kann ebensogut viele Jahre brauchen
bis er sich dazu entschließt
Verlier nicht den Mut
warte…

Warte wenn es sein muss, jahrelang
denn der rasche oder langsame Anflug des Vogels
hat nichts zu tun mit dem Gelingen des Bildes.

Wenn der Vogel kommt
falls er kommt
so sei ganz still
Warte bis der Vogel in den Käfig schlüpft
und wenn er hineingeschlüpft ist
schließe mit dem Pinsel leise die Tür.

Dann
tilge nacheinander alle Gitterstäbe aus
wobei du keine einzige Feder
des Vogels berühren darfst

Sodann male den Baum
und wähle den schönsten seiner Äste
für den Vogel.

Male auch das grüne Laub und den frischen Wind
den Sonnenstaub
und das Gesumm der Grastiere in der Sommerglut.
Und dann warte, ob der Vogel sich entschließt zu singen…
Wenn der Vogel nicht singt
so ist es ein schlechtes Zeichen,
ein Zeichen, dass das Bild schlecht ist.
Aber wenn er singt
ist es ein gutes Zeichen,
ein Zeichen , dass du das Bild mit deinem Namen zeichnen darfst.

Dann zupfst du ganz sacht
eine Feder aus dem Vogelgefieder
und schreibst in einer Ecke des Bildes deinen Namen nieder.

“Kostnice – The Ossuary” (Musik-Komposition von Zdenek Liska, YouTube Video)

Welche Wirkung hat dieses Gedicht und die Musik auf dich? Hast du eine Idee, um welchen Ort es sich handeln könnte?

Beim nächsten Mal erzähle ich mehr über diesen Ort, seine Geschichte, seine mystische Wirkung und warum eine Musik-Komposition für ihn geschrieben wurde. Ich hoffe, du gehst dann wieder mit mir auf eine Reise in deinem Kopf! Bis dahin wünsche ich dir viele wohltuende Momente der Ruhe und der Erinnerung, auf Wiederhören bei “Travel sounds … ” und meinen Reisen im Kopf, deine Lara!

Das Gedicht von Jacques Prévert im Original:

“Pour faire le portrait d’un oiseau”
A Elsa Henriquez

Peindre d’abord une cage
avec une porte ouverte
peindre ensuite
quelque chose de joli
quelque chose de simple
quelque chose de beau
quelque chose d’utile
pour l’oiseau
placer ensuite la toile contre un arbre
dans un jardin
dans un bois
ou dans une forêt
se cacher derrière l’arbre
sans rien dire
sans bouger . . .
Parfois l’oiseau arrive vite
mais il peut aussi bien mettre de longues années
avant de se décider
Ne pas se décourager
attendre
attendre s’il le faut pendant des années
la vitesse ou la lenteur de l’arrivée de l’oiseau
n’ayant aucun rapport
avec la réussite du tableau
Quand l’oiseau arrive
s’il arrive
observer le plus profond silence
attendre que l’oiseau entre dans le cage
et quand il est entré
fermer doucement la porte avec le pinceau
puis
effacer un à un tous les barreaux
en ayant soin de ne toucher aucune des plumes de l’oiseau
Faire ensuite le portrait de l’arbre
en choisissant la plus belle de ses branches
pour l’oiseau
peindre aussi le vert feuillage et la fraîcheur du vent
la poussière du soleil
et le bruit des bêtes de l’herbe dans la chaleur de l’été
et puis attendre que l’oiseau se décide à chanter
Si l’oiseau ne chante pas
c’est mauvais signe
Signe que le tableau est mauvais
mais s’il chante c’est bon signe
signe que vous pouvez signer
Alors vous arrachez tout doucement
une des plumes de l’oiseau
et vous écrivez votre nom dans un coin du tableau.

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